Natali 23. Februar 2011

In diesen Tagen macht eine Schrift Stéphane Hessels von sich reden, die den schönen Titel “Empört Euch!” trägt. Sie wurde u.a. auf Deutschlandradio Kultur besprochen.
Immer wieder Arge-Ärger
Auf die Frage ob es etwas gibt, das in mir Empörung auslöst, wüsste ich sofort ein Antwort. Es ist die Ohnmacht vor der Institution Arge. Mal ist es mehr Wut, mal hilflose Niedergeschlagenheit. Auch wenn sie sich heute innovativ Jobcenter nennt ändert das nichts an der Wucht der Bürokratie, die alle zu spüren bekommen, die mit ihr zu tun haben.
Als ich den Artikel “Working poor II” von Mo Jour gelesen habe, war da wieder dieses beklemmende Gefühl, dass das doch alles gar nicht wahr sein kann. Aber eben, dass genau diese Situation, wie Mo Jour sie schildert, zigfach in Deutschland Realität ist.
Was mich am meisten in Rage bringt und gleichzeitig lähmt ist die Unfähigkeit zu einer menschenwürdigen Kommunikation dieses Apparats. Dabei arbeiten dort doch auch nur Menschen und keine Roboter.
Kommunikation in Zeiten des Internet
Es beginnt damit, telefonisch immer nur über eine Zentrale an die Arge heranzukommen. Die persönliche Sachbearbeiterin direkt zu erreichen ist so gut wie nicht möglich. Anrufe der Arge erscheinen auf dem Handy grundsätzlich mit unterdrückter Nummer. Also beginnt ein Katz und Maus Spiel in dem es herauszufinden gilt, wer wen und warum erreichen wollte. Es ist mir schleierhaft, warum ein mittlerweile so gängiges Kommunikationsmedium wie E-Mails von der Agentur nicht genutzt wird.
Statt dessen erfreuen sich bei Arge/Jobcenter Briefe mit der Möglichkeit zur Faxantwort höchster Beliebtheit. Sie bestehen meist zur Hälfte aus Sanktionsandrohungen, sollte der oder die Alg II BezieherIn nicht in korrekter Form und Zeit geforderte Dinge ausführen. Als freundliche Erklärung finden sich dabei meist eine Reihe von Paragraphen, Rechtsbelehrungen, Rechtsbehelfbelehrungen und andere Formulierungsungetümen.
Vorsicht Mitmensch
Aus diesen lese ich deutlich heraus, dass mir von vornherein misstraut wird. Ich bin potentiell höchst kriminell und nur Drohungen können mich von Schlimmerem abhalten. Vor allem diese Botschaft vermitteln die die Umweltschutzpapierbriefe. Eine sachliche Korrespondenz, bei der Menschen sich konstruktiv austauschen, wird zusätzlich dadurch unmöglich gemacht, dass immer wieder neue Sachbearbeiter diese Briefe versenden. Bei mir kommt dadurch weder Vertrauen noch Wohlwollen der Institution gegenüber auf – aber das ist wahrscheinlich auch gar nicht beabsichtigt.
Statt dessen würde ich viel lieber, wie Mo Jour es beschreibt, einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Meine Kraft in etwas stecken, an das ich glaube und das zu meinen Fähigkeiten passt. Noch habe ich die Hoffnung, dass mir das mit einer Selbständigkeit glücken kann. Wir werden sehen, wie zermürbend der Weg dorthin sein wird.
Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es ein bedingungslose Grundeinkommen – für Deutschland und gerne darüber hinaus. Damit wir statt uns über Bürokratie und Papierkram zu ärgern endlich mit unserern vielen Projekten durchstarten können. Dann könnte dieses Land nicht nur ein Land der Ideen sondern auch der Taten werden.
Tags: Ärger